Gemeinsam ehrlich diskutieren

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Als „Uraufführung“ hat Präses Manfred Rekowski die Jugendsynode bezeichnet, die erstmals vom 4. bis 6. Januar 2019 stattfinden wird. Das Besondere: Sie setzt sich fiftyfifty aus Delegierten der Landessynode einerseits und aus Delegierten der Evangelischen Jugend im Rheinland andererseits zusammen.

Die der Jugendsynode vorliegenden drei Leitpapiere geben eine Vorschau auf Themen, mit denen sie sich befassen wird: Jugend- und Familienarmut sowie Partizipation und Jugendarbeit in der Kirche. Die Jugendsynode setzt sich zusammen aus je fünfzig Delegierten aus der Landessynode und der Evangelischen Jugend im Rheinland. Hinzu kommen zehn weitere Jugendliche und junge Erwachsene, entsandt u. a. aus den Studierendengemeinden, den landeskirchlichen Schulen, der ehrenamtlichen Konfirmandenarbeit sowie aus der ökumenischen Arbeit.

Die zeitliche Nähe zur  Landessynode – sie ist das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche, ist zugleich inhaltliche Verschränkung: In der Jugendsynode werden Themen erarbeitet, mit denen sich die Landessynode beschäftigen wird.

Ganz starkes Zeichen

Mit der Jugendsynode probiere die rheinische Kirche „neue Beteiligungsformen“ aus, erklärte Präses Rekowski in der Pressekonferenz zur Vorstellung von Jugend- und Landessynode 2019. Während die jüngste EKD-Synode „Jugend“ zum inhaltlichen Hauptthema gemacht hatte, wird hier nicht über, sondern gemeinsam mit Jugendlichen beraten. Das sei singulär in der Kirchenlandschaft.

Die für Bildung und Erziehung zuständige Oberkirchenrätin Henrike Tetz bezeichnete die Jugendsynode als „ganz starkes Zeichen“ Richtung Jugendverband. Mit der paritätischen Besetzung sei das Vorzeichen gesetzt: Themen werden gemeinsam in den Blick genommen, es werde nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam Verantwortung übernommen.

Davon zeugen auch die drei vorgelegten Papiere zu den Themen „Partizipation“, „Jugendarbeit“ sowie „Jugend- und Familienarmut“. Anders als landessynodale Vorlagen, haben diese noch keinen langen Beratungsweg hinter sich und sind darum deutlicher als Diskussionsgrundlage zu versstehen. Die in den Leitpapieren enthaltenen Entwürfe „können auch noch umgeschmissen werden“, sagte Jonas Einck. Der 19-jährige Student der Sozialen Arbeit in Düsseldorf, Vorstandsmitglied der Evangelischen Jugend im Rheinland, erklärte vor den Journalistinnen und Journalisten, er habe schon die Vorbereitungen der Jugendsynode als „sehr ehrlichen Prozess“ erlebt. Da sei nicht „scheinpartizipiert“ und nicht hinterm Berg gehalten worden. So sei ein allgemein gehaltener Themenvorschlag wie soziale Gerechtigkeit auch als zu unkonkret  kritisiert werden. „Jetzt ist ja Jugend- und Familienarmut drin.“ Die gleiche ehrliche Diskussionsbereitschaft erwarte er auch von der nun anstehenden Jugendsynode.

Darüber hinaus wurden durch die Delegiertenkonferenz der Evangelischen Jugend im Rheinland zwei Themen der Landessynode ausgewählt, die ebenfalls von der Jugendsynode beraten werden sollen: Gemeindeformen und die Flüchtlingsproblematik an den EU-Außengrenzen.

 Neue Gemeindeformen stärken Innovation

Er gehe darum, Innovationen zu stärken, erklärte Vizepräses Christoph Pistorius in der Pressekonferenz im Blick auf die Drucksache 22 über so genannte Gemeindeformen.  Ziel seien „Aufbrüche“, die Ablösung „überholter Strukturen“, das Erreichen neuer gesellschaftlicher Milieus, so der Theologe.

Die neuen Gemeindeformen sind Gemeinschaften, in denen die Spiritualität einen zentralen Raum einnimmt. Erste Beispiele dafür gibt es bereits, etwa die „Beymeister“ in Köln-Mülheim und das „Raumschiff Ruhr“ in Essen. Solche Gemeindeformen wird die Evangelische Kirche im Rheinland künftig stärker unterstützen, so die Vorlage an die Landessynode. „Erprobungsräume“ sollen in den kommenden zehn Jahren besonders gefördert werden. Dazu soll eine halbe Million Euro Fördergeld bereitgestellt werden. Eine Vollzeit-Projektstelle wird für Unterstützung und Auswertung sorgen, so sieht es der Beschlussantrag vor.

Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen

Was an den EU-Außengrenzen geschieht, wie es Menschen geht, die vor Kriegen, Umweltkatastrophen oder wirtschaftlicher Not fliehen, „kann uns nicht ruhen lassen“, sagte Vizepräsident Dr. Johann Weusmann. Allein bis zur Jahresmitte sind 1.500 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken.

Der Landessynode wird sich – folgt sie dem entsprechenden Beschlussantrag – „für eine humanitäre gesamteuropäische Flüchtlingspolitik“ aussprechen. Den Hintergrund dafür bildet der Bericht über die Situation von Flüchtlingen an den EU-Außengrenzen. „Abschottung und Abgrenzung Europas schreiten weiter voran“, heißt es in diesem Bericht. Menschenrechte und Humanität werden generell zur Disposition gestellt, politisches Handeln habe das Ziel, den Zuzug von Migrantinnen und Migranten zu begrenzen.

Was nun? Die Kirche hilft, machte Weusmann deutlich. So unterstützt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)das private Seenotrettungsschiff Sea-Watch, das Präses Rekowski, zugleich Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der EKD, in diesem Jahr auf Malta besucht hat. Ein anderes Beispiel: Der Kirchenkreis Jülich fördert Flüchtlingsarbeit in Marokko. Weusmann: „Solche Partnerschaften helfen weiter. Sie halten das Thema wach und unterstützen konkret.“

Außerdem berichteten die hauptamtlichen Kirchenleitungsmitglieder von Anstrengungen, so genannte humanitäre Flüchtlingskorridore für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge nach Italien zu unterstützen und auch für Deutschland zu schaffen. In Rede steht für Deutschland eine sichere Passage für 500 Flüchtlinge.

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